Editorial 5/2012
Und wie der Geist wirkt!
von Guido Horst
Jetzt haben wir kräftigt gefeiert. Ostern, den Geburtstag des Papstes, den Beginn seines Pontifikats vor sieben Jahren. Und letzteres hat für uns eine besondere Bedeutung. Ohne den Bayern auf dem Petrus-Stuhl gäbe es diese Zeitschrift nicht. War es doch jenes „Habemus papam!“ vom 19. April 2005, das den Anstoß gab, wenig später mit einem katholischen Magazin aus Rom für Leserinnen und Leser in der Heimat des neuen Papstes zu beginnen.
Marianisch und pfingstlich geht es zu, auf den folgenden Seiten. So gehört sich das in der Kirche. Wohin nun haben der Geist Gottes und Maria, die Mutter der Kirche, das Schiff Petri in diesen sieben Jahren geführt? Zwar sagt das keiner mehr. Aber der Glaubenssatz wurde nie abgeschafft, dass der Heilige Geist bei seiner Kirche ist und sie, wenn sie es zulässt, stärkt und inspiriert. Und dass die Gottesmutter eine mächtige Fürsprecherin im Himmel ist, die alle, die ihrem Sohn folgen, nicht im Stich lassen will. Vieles, was in den zurückliegenden sieben Jahren an kirchlichen Nachrichten laut krachend durch die Medien ging, hat einfache Gläubige verunsichert. Es verstärkte den Eindruck, dass die katholische Kirche in der modernen Zeit einen beständigen Niedergang erlebt. Aber ist es wirklich das, was der Geist und die himmlische Mutter in den letzten Jahrzehnten bewirkt haben? Natürlich nicht. Dazu einmal ein paar Fakten.
In den zurückliegenden hundert Jahren hat die Kirche die größte Ausdehnung ihrer Geschichte erlebt. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gab es südlich der Sahara zwei Millionen Katholiken. Heute sind es dort 130 Millionen. Aber auch weltweit ist die Catholica explodiert. 266 Millionen Katholiken bevölkerten den Globus Ende des neunzehnten Jahrhunderts, die Zahl stieg in gut hundert Jahren auf eine Milliarde und hundert Millionen. In Ländern wie in Südkorea, um nur ein Beispiel zu nennen, stieg der Prozentsatz der Christen von 1960 bis 2010 von zwei auf dreißig Prozent. Katholische Priester gab es dort vor fünfzig Jahren gerade einmal 250, heute sind es fünftausend. Wenn die Katholiken in Südkorea Ostern feiern, werden Hunderte von Katechumenen in der Osternacht getauft – und Zigtausende von Neu-Katechumenen fassen den Entschluss, sich auf die Taufe vorbereiten zu lassen. Also: Maria lässt ihre Kirche nicht im Stich. Und der Geist wirkt und weht. Allerdings weht er nur da, wo er will. Europa, so scheint es, liegt derzeit nicht hundertprozentig im Windkanal.
Aber das kann Papst Benedikt nicht davon abhalten, die ganze Kirche zu sehen, die Diözesen in aller Welt. Als Nachfolger Petri kann er es sich nicht leisten, sich den etwas dumpf-pessimistischen Nörgelton zu Eigen zu machen, der etwa nördlich der Alpen, in seiner Heimat, die innerkirchliche Stimmung vermiest. Die katholische Weltkirche befindet sich in einer ungebremsten Phase der Expansion – und die Gefahren, die den Christen drohen, liegen auf der Hand. Man denke nur an die alten christlichen Gebiete des Nahen und Mittleren Ostens, wo die Kirchen um ihr Überleben fürchten müssen. Darum fährt Benedikt XVI. im September in den Libanon. Es hat sich also nichts und viel geändert in den letzten sieben Jahren. „Schönheit und Drama“ prägen immer noch die Weltkirche, wie es als Motto seit Anbeginn auf unserer Titelseite steht. Der Papst sieht beides. Und er sieht auch, dass man die Kirche nicht „machen“ kann. Sondern demütig den Heiligen Geist und die Gottesmutter anflehen muss, damit sie auch das Ermüdete und Erlahmte zu neuem Leben erwecken. In Südkorea läuft die Evangelisierung fast wie von alleine. Für Europa hat Papst Benedikt eine Zeit der Neu-Evangelisierung ausgerufen. Sie wird Thema der Bischofssynode im Oktober sein. Ob diese dem Heiligen Geist eine Chance eröffnet, in Europa wieder einzufliegen?
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