Editorial 2/2012
Unser Reform-Papst Benedikt
von Guido Horst
Dass wir die Homepage des VATICAN-magazins „reformiert“ haben, ist die eine gute Nachricht. Alles spricht von Reformen, auch und gerade in der Kirche. Da wollten wir nicht nachstehen. Und dass sich nun auf unserer Homepage ein römischer Blog befindet, in dem Natalie Nordio und ich Einblicke geben in das, was rund um unsere Arbeit in Rom sonst noch geschieht, ist der zweite Grund, nun häufiger auf die Seite im Internet zu schauen, auf der sich unser Magazin präsentiert. Auch wenn man es nicht glaubt: Das war mit einer Menge Arbeit verbunden, unsere „Reform“ im Internet. An dieser Stelle dafür ein großes Dankeschön an unseren Grafiker Manuel Kimmerle. Doch unser „Reformwerk“ wird noch weitergehen: Immer länger soll die Liste der Hefte werden, die man dann im Archiv auf unserer Homepage aufrufen und nochmals durchblättern kann.
Apropos „Reformen“. Der erste, der in der Kirche von Reformen spricht, ist unser Papst. In seiner berühmten Weihnachtsansprache an die römische Kurie des Jahres 2005 wandte er sich damals entschieden gegen die „Hermeneutik des Bruchs“, mit der manche uns das Zweite Vatikanische Konzil als völligen Neuanfang der Kirchengeschichte verkaufen wollen. Aber Benedikt XVI. stellte ihr nicht eine „Hermeneutik der Kontinuität“ entgegen. Das wäre zu einfach. Denn einiges hat das Zweite Vatikanum tatsächlich geändert. Zum Beispiel in der Lehre über die katholischen Staaten. Das weiß auch Papst Joseph Ratzinger und spricht stattdessen von der „Hermeneutik der Reform“. Reform hat es in der Kirche immer gegeben: Ein weiteres Sich-Entfalten in der Lehre, das katholische Dogmen nicht grundstürzend ändern, aber präziser und genauer fassen kann.
Dazu lohnt es sich, in diesem Heft die „Disputa“, den Beitrag von Erik von Kuehnelt-Leddihn zu lesen. Ein lesenswertes Stück, das geeignet ist, die in Deutschland so abgeflachte Debatte über „Reformen“ in der Kirche wieder mit Geist zu füllen. Nicht die Anpassung an die Welt kann Sinn kirchlicher Reformen sein, sondern nur ein immer deutlicheres Sichtbarwerden der von Gott geoffenbarten Wahrheit. Die katholische Kirche hat das nach der Reformation geleistet. Und sie wird es auch morgen tun.
Artikel kostenlos als PDF herunterladen


